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Golf aus sportmedizinischer Sicht

 

Der Golfsport, seit Mitte des 18. Jahrhunderts (1744) in Schottland beginnend, wird zunehmend auch bei uns neben den USA/Kanada und Japan zur Volkssportart.
Über 370 000 Golfspieler haben die "Faszination Golf' bereits entdeckt. Man rechnet mit einer jährlichen Zunahme von ca. 25 000 Spieler in den ca. 630 deutschen Golf und Country-Clubs.
Als klassische Lifetime-Sportart kann Golf bis in das hohe Lebensalter betrieben werden, zumal Golfen unterschiedlichster Leistungsstärke miteinander spielen können.

Zunehmend sehen wir im sport-traumatologischen und sportmedizinischen Bereich Patienten mit Verletzungen und Schäden, die sich Spieler beim Golfspielen direkt oder in der Vorbereitungsphase durch falsch entwickelte Bewegungsmuster zugezogen haben.
Es besteht ein steigender sportmedizinischer Informationsbedarf In Anlehnung an die Informationen des Deutschen Sportärztebundes möchte ich auf folgende Themen eingehen.

  • Belastungsstruktur des Golfsportes Gesundheitliche Risiken

  • Allgemeine sportmedizinische Gesichtspunkte
  • Spezielle Gesichtspunkte bei ausgewählten Erkrankungen

  • Gesundheitliche Vorteile des Golfspielens

I. Belastungsstruktur des Golfsportes

A. Der Golfschwung

Eine fließende harmonische und kontrollierte Drehbewegung des Rumpfes, einschließlich der, bei gleichzeitiger Gewichtsverlagerung von einem auf den anderen Fuß, charakterisieren den aus Rück- und Durchschwung bestehenden idealen Golfschwung.
Bei dieser Bewegung werden Muskel, Sehnen, Bänder und Gelenke der Wirbelsäule, der oberen und unteren Extremität im unterschiedlichen Maße belastet.
Der Golfschwung kann vollständig als voller Schwung oder unvollständig als halber oder viertel Schwung ausgeführt werden.
Das Putten, als Sonderfall des Golfschwunges, wird ausschließlich aus den Armen als ruhige Pendelbewegung erfolgen.
Während des Golfschwunges werden fast alle Muskel bewegt und koordiniert.

B. Leistungsphysiologische Gesichtspunkte

Bedingt durch die Streckenlänge ergeben sich Gehstrecken bis zu ca.7-10 km bei einem 18 Loch Spiel. Der Zeitaufwand beträgt ca. 4 - 5 Stunden.
Der Golfschwung selbst dauert nur ca. 2 Sekunden.
Der Energieaufwand spielt sich nur im alaktiziden Bereich ab. Ein Laktatanstieg wird sich in der Regel im Blut nicht finden lassen.
Die Sauerstoffaufnahme steigt während eines Spiels auf das 2 bis 4-fache gegenüber Grundumsatzbedingungen an; dies entspricht einem durchschnittlichem Kalorienverbrauch von ca. 4 bis  5 kcal/Min Während einer 18-Loch Runde werden ca. 1.500 kcal verbraucht.
Im Vergleich dazu verbraucht ein Sportler bei 2 Std. Tennis ca.960 kcal und ein Jogger in 1 Std. ca. 700 kcal.
Messungen haben ergeben, dass der Cholesterinspiegel nach 18 Löchern um durchschnittlich 15 Prozent und das Körpergewicht um ca. 1 kg reduziert wird.
Bei einem Flüssigkeitsverlust von ca.  2 Prozent  des Körpergewichtes reduziert sich die Ausdauer- und Konzentrationsfähigkeit des Spielers erheblich.

Zunehmend wird im Profi-Golfsport die Leistungsfähigkeit durch ergänzende medizinisch orientierte Programme gesteigert.

C. Herz-Kreislauf Beanspruchung

Bisher gibt es keine invasiven validen Messungen. Herzfrequenzsteigerungen und Blutdrucksteigerungen dürften sich im moderatem Rahmen halten.
Bei kraftvollen Durchschwüngen und bei Fehlschlägen (umpflügen des Bodens) dürften jedoch Frequenz- und Drucksteigerungen zu erwarten sein.

D. Beanspruchung des Stütz- und Bewegungssystems

Während des Golfschwunges werden fast alle Muskeln bewegt und koordiniert. Die Koordination ist der wesentliche Faktor um einen optimalen Schwung zu erreichen. Vorausetzung eine gute Koordination zu erreichen ist eine Verbesserung der Flexibilität der Rumpfkraft.
Die muskuläre Kraft ist nur sekundär von Bedeutung.
Das Erlernen einer guten Technik unter kontrollierten Bedingungen (Trainer) ist von elementarer Bedeutung zur Erreichung eines guten vollen Schwunges.

Belastungslimitierend ist das häufige Üben stereotyper monotoner Bewegungsabläufe (driving range), ohne ein entsprechendes Ausgleichstraining. lm Leistungsgolfsport werden neben einem speziellem funktionellen Ausgleichstraining täglich 200 "lange", und 200 "halbe" Bälle geschlagen und eine Stunde Putten geübt.

Die Hälfte aller Golfverletzungen und Golfschäden betreffen die Wirbelsäule. Als zentrales Stützorgan ist sie beim Golfen einer besonderen Belastung ausgesetzt. Durch Rotation beim Rück- und Durchschwung mit Translations - und Seitneigungen der Wirbelsäule, u. U. mit starker Hyperlordorsierung am Ende eines Durchschwunges mit kräftigem Finish, kommt es zu einer starken Beanspruchung der einzelnen Wirbelsäulenstrukturen.

Da in unserer heutigen Gesellschaft oft schon Vorschäden an der Wirbelsäule vorhanden sind, ist eine weiter Schädigung ohne vorherige fachgerechte muskuläre Prophylaxe oft nicht zu vermeiden.
Insbesondere bei ungenügender Rumpf und Beinmuskulatur mit muskulären Verkürzungen und Dysbalancen kommt es dann bei unkontrollierten Schwüngen zu Verletzungen an den entsprechenden Muskelabschnitten.
Selbst beim Putten wird die Rückenstreckmuskulatur statisch derart beansprucht, dass es bei ungenügender Entwicklung zum Muskelhartspann kommen kann.

Zu den häufigen Verletzungen im Golfsport gehören auch der so genannte Golfer- Ellenbogen (rechts ulnar), Schulterverletzungen, Handgelenk und Kniegelenk-Beschwerden mit Sehnen-, Sehnenscheiden- und Muskelentzündungen.

ll. Gesundheitliche Risiken

A. Kardiale Gefährdung

Einzelne epidemiologische Studien zeigen ein erhöhtes kardiales Risiko beim Golfspielen. Hierbei handelt es sich jedoch um Spieler im fortgeschrittenen Alter mit bestehender koronarer Herzkrankheit.
Eine mögliche Gefährdung ergibt sich durch die kurzfristige hohe Druckbelastung während des Treffmomentes und vor allem durch einen hohen Stressfaktor unter Wettkampfbedingungen. Zusätzlich können ungünstige äußere Bedingungen wie Hitze und starke Sonneneinstrahlung eine Rolle spielen. Insgesamt ist die kardiale Gefährdung jedoch als gering einzuschätzen.

B. Orthopädische Risiken

Insgesamt ist das Verletzungsrisiko, wie durch Schlägerverletzungen, Ballverletzungen und andere traumatische Vorgänge im Golfsport gegenüber anderen Sportarten als sehr gering einzustufen.
Die chronischen Schäden am Bewegungsapparat hingegen sind häufiger anzutreffen.
Insbesondere ist im Bereich der Wirbelsäule eine deutliche Beschwerdeanhäufung festzustellen.
Insuffiziente Rückenmuskulatur mit muskulären Verkürzungen und muskulären Dysbalancen sind mit unzureichendem Aufwärmen vor dem Spiel häufig disponierende Faktoren um Beschwerden zu induzieren.
Des weiteren treten Beschwerden infolge chronischer Überlastungen durch Stereotype monotone Überlastungen auf. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Anfänger wiederum häufiger als fortgeschrittene Golfspieler.

Fast immer sind falsche Technik, Übereifer, mangelhafte und falsche Vorbereitung und fehlendes Aufbau- und Ausgleichstraining die Ursache von Beschwerden oder von Verletzungen. Nicht selten macht sich lediglich ein bereits bestehender, bisher unbemerkter Schaden durch die ungewohnte Belastung bemerkbar.

Zur Prävention von derartigen Schädigungen ist eine Schwungkorrektur unter fachlicher Anleitung (Pro) und ein entsprechendes Ausgleichstraining durch Erfahrene und speziell ausgebildete Physiotherapeuten dringend erforderlich.

III. Allgemeine sportmedizinische Gesichtspunkte

Wie bei anderen Sportarten müssen auch beim Golfsport allgemeinmedizinische Grundregel beachtet werden.
Zur Vermeidung von Dehydration und Hypoglykämie sind während eines Golfspiels, vor allem bei Hitze und Trockenheit, regelmäßige Zufuhr von Flüssigkeit und Kohlenhydraten erforderlich, bevor sich Hunger oder Durstgefühl bemerkbar machen.
Bei Spielen in südlichen Gefilden mit starker Sonneneinstrahlung ist eine angepasste Kleidung , Sonnenschutz und Flüssigkeitszufuhr zwingend erforderlich.
Bei Regen und kalter Witterung ist ein entsprechender Körperschutz vor Nässe und Kälte zu beachten.
Spieler mit reduziertem körperlichen Leistungsvermögen sollten sich vor Beginn eines Spiels mit den Platzverhältnissen vertraut machen.

IV. Spezielle Gesichtspunkte bei ausgewählten Erkrankungen

Grundsätzlich sollte nach und während einer behandlungsbedürftigen Erkrankung oder vor und nach einer Operation mit dem behandelnden Arzt über eine körperliche Belastung gesprochen werden. Gegebenenfalls ist ein mit der Sportart vertrauter Sportmediziner zu befragen.

A. Golf nach Herzinfarkt

Bei stabilem kardialen Befund und beschwerdefreier Leistungsfähigkeit von mehr als
1 W/kg Körpergewicht ist bei ergänzendem Ausdauertraining z. B. Kardiosport (Reha) das wettkampflose Golfspielen durchaus möglich.

B. Golf bei Bluthochdruck

Ist der Bluthochdruck stabil eingestellt, kann das Golfspielen als körperliche geringe Belastung durchgeführt werden. Auch hier ist ein begleitendes Ausdauertraining empfehlenswert. Wettkämpfe mit psychischer und physischer Belastung sollten vermieden werden.

C. Golf bei Z. n. Implantation von Hüfttotalendoprothesen

Das Golfspielen ist hierbei im moderaten Rahmen möglich. Auf stärkere Rotationsbewegungen beim Schwung mit ausgeprägter Recht-Links-Bewegung und starker Belastung des linkes Hüftgelenkes muss verzichtet werden. Scherkräfte sollten auf ein Minimum reduziert werden (z.B. Schuhe ohne Spikes)

D. Golf bei Bandscheibenerkrankungen

Grundsätzlich ist Golfsport bei Erkrankungen der Wirbelsäule, auch bei Bandscheibenprotrusionen und Bandscheibenvorfällen möglich.
Generelle Kontraindikationen sind neurologische sensible und motorische Ausfälle. Kraftvolle Schwungbewegungen mit z. B. kräftigem "anish" sind zu vermeiden.'
Ein entsprechendes ergänzendes Ausgleichstraining ist unumgänglich.

V. Gesundheitliche Vorteile des Golfspielens

Golf ist ein äußerst gesundes Spiel, das in jedem Lebensalter gespielt werden kann und angepasste Bewegung mit Trainingseffekten für die gesamte Körpermuskulatur ermöglicht.

Durch Ausdauerfitness und viel Bewegung an der frischen Luft ist eine Vorbeugung gegen vorzeitige degenerative Herz-Kreislauferkrankungen gegeben.

Muskel- und Fettstoffwechsel werden aktiviert und ergeben positive Effekte auf den Gesamtorganismus.

Im Alter nachlassende koordinative Fähigkeiten werden besonders geschult und bleiben länger erhalten.

Studien zeigen das, wie auch bei anderen Sportarten, Golf eine positive Wirkung auf die Psyche eines Sportlers ausübt.
Bei entsprechender Einstellung wirkt der Golfsport beruhigend auf die "Seele'; ist stress lösend und regenerierend, insbesondere bei ansprechendem Ambiente (gepflegte Grünflächen, Wasserflächen, meist besonderes naturverbundene Orte etc).

Autor:
Dr. med Wolfgang Lemken
Facharzt, für Orthopädie - Sportmedizin Preussenstr. 84a
41464 Neuss
Telefon 02131890100 Fax 02131 890111
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