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Marokko:
Golfen zwischen Atlas und
Atlantik
Text und Fotos von Roland Hanewald
Wenn es die südafrikanische Republik mit ihren
zahllosen Golfplätzen nicht gäbe, käme Marokko in Sachen Golf der
erste Rang auf dem Schwarzen Kontinent zu. Nirgendwo außer am Kap
ist man in Afrika derart um den grünen Sport bemüht wie hier.
Settat
In Settat, 70 km südlich von
Casablanca, kann man auf der dortigen Royal Golf Universitaire sogar
den „Dr. Golf“ machen! Settat ist ein „typisch marokkanischer“ Ort,
sauber und einfach, und viel gibt es da, inmitten eines
landwirtschaftlichen Anbaugebiets mit Kornfeldern, Olivenhainen und
Obstplantagen, nicht zu sehen. Doch zwei Kilometer vor dem
Ortseingang steht am Straßenrand ein großes Schild mit der Inschrift
„Royal Golf Universitaire de Settat“. Dort kann man das Golfspiel
auf akademische Art und Weise erlernen.
Auf
hügeligem Gelände erhebt sich oberhalb des Schildes ein
bemerkenswerter Gebäudekomplex, (Bild links) dem eine gepflegte
Golfanlage vorgelagert ist, auf der Berberfrauen den Rasen mit der
Handschere stutzen.
Die Golfakademie? Nun, so direkt nicht. Es handelt sich um die von
König Hassan II. ins Leben gerufene Ecole de Commerce Nationale et
de Gestion, also die nationale Handels- und Verwaltungsschule, auf
der man Kurse in Ingenieurswissenschaften und Jura belegen kann.
Und, eben, in Golf.
Man verlässt die Schule als Ingenieur oder Anwalt, und als
graduierter Golfinstrukteur mit attestiertem Handicap, alles auf
einem schönen Diplom vermerkt.
Ein
kleiner Haken ist allerdings dabei. Um es zum „Dr. Golf“ zu bringen,
muss man auf einer der genannten Hauptfakultäten eingeschrieben
sein;
Golf ist nur ein Nebenfach. Aber machen lässt sich das schon. Sofern
man ein As in Französisch ist, versteht sich, denn es gilt eine
Aufnahmeprüfung in dieser Sprache zu bestehen, und der Unterricht
wickelt sich ebenfalls auf Französisch ab.
Ausländer sind willkommen. Unter den 120 Studenten, die jährlich neu
aufgenommen werden, befinden sich diverse von ihnen.
Möchte
zunächst einmal jemand die Range von Settat testen? Nur zu.
Besucher sind gern gesehen auf dem 65 Hektar-Platz mit neun Löchern
und einem zentralen See mit neckischen japanischen Brückchen.
Für eine Runde löhnt man 200 Dirham (ca. 20 Euro); die Hälfte, wenn
man die Karte eines anderen Clubs in Marokko besitzt.
Wen das Abenteuer lockt, der kann auf weitere 149 Hektar rauesten
Terrains mit 18 Löchern ausweichen, wo die Eleven den Sport unter
erschwerten Bedingungen üben.
Und gleich mal ein Französisch-Test für Interessierte: „Les chiens
ne sont pas admis sur le parcours, ni à l’intérieur du Club House,
même tenus en laisse...
“Wer versteht es? (Hunde sind weder auf dem Platz noch im Clubhaus
zugelassen, auch nicht an der Leine).
Das ist übrigens normal in Marokko, wo der Hund einen anderen
Stellenwert hat als bei uns.
Weitere Info über die Golf-Uni
Settat erhält man über
BP 575, Settat/Marokko,
oder Fax 00212-3402099.
Adressiert an den „Directeur du Golf“. Franz, bitte.
Agadir
Die Plätze der „Cité du Golf“
gehören wahrhaft zum Feinsten, was es in jenen Breiten gibt. Kein
Wunder, dass diverse deutsche Veranstalter sie anpreisen und dass
sogar der bekannte Club Med zu den Betreibern zählt.
Wer zum Golfen nach Agadir reist und den Sport mit einem gesunden
Anteil Strandleben und einiger Ausflugstätigkeit ins Hinterland zu
verbinden weiß, wird in dieser Stadt, so unorientalisch sie auch
wirken mag, auf seine Kosten kommen. Apropos Kosten: Marokko ist ein
relativ preiswertes Land, aber so ganz billig ist es auch nicht. Mit
Greenfees von 35-50 Euro muss man überall rechnen.
Golf les Dunes Chemin Oued Souss
Les
Dunes liegt nahe der Straße vom internationalen Flugplatz nach
Agadir und wird vom Club Med mit Zentrale in der Stadt betrieben.
Das Publikum ist mehrheitlich
französisch, und die Umgangssprache sowieso. Der im Jahre 1991
entstandene Par 36-Platz zieht sich über 9420 m hin und hat 27
Löcher auf drei Sektionen.
Ein schöner Baumbestand von Palmen, Eukalypten und Tamarisken sorgt
für viel Schatten, und vier Seen, sogar mit einer Palmeninsel (die
immer wieder in den Prospekten auftaucht), bewirken ein
erfrischendes Ambiente. Französische Küche, versteht sich, in „Le
Restaurant“, und nur vom Besten. Anschließend kann man dann ins
assoziierte Casino Le Mirage gehen und viel Geld gewinnen (leider
aber auch verlieren), um sich nach den Mühen im Grünen zu
entspannen.
Kontakt: Fax 00212-48834649
Golf du Soleil Chemin des Dunes
Golf
du Solei grenzt unmittelbar an Dunes, wenn auch die Eingänge etwas
auseinander liegen (30 Fußminuten).
Die Aufmachung ähnelt dem Nachbarn stark
(Par 36, 8956 m, 27 Löcher auf drei Sektionen)
mit vielen Bäumen, namentlich Eukalyptus, ganzen Blumenmeeren und
drei malerischen Seen, (Bilder rechts) die manches Spiel erheblich
erschweren.
Auch hier bestimmt Französisches Bild und Ton; „le club’ouse“ ist
jedoch nicht nur marokkanisch, sondern überdies von sehr gelungener
indigener Architektur.
Von dessen Sonnenterrasse überblickt
man den gesamten Platz, ein ansprechendes Panorama.
 
Kontakt:
www.golfdusoleil.com
Bilder: Oben links:
Auf dem Soleil hat man immer den Durchblick. Rechts: Eine großzügige
„Seenlandschaft“ ist ein bestechendes Charakteristikum. Links: Trotz
viel „soleil“ herrscht sattes Grün hier ständig vor.
Royal Golf Agadir Km 7, Route d’Essaouira,
Agadir
Neun
Löcher weist dieser etwas verloren zwischen dem Vorort Inezgane und
dem Airport gelegene Platz (Par 36) auf, einer der ältesten des
Landes.
(An weiteren neun Löchern wird immer gearbeitet).
Doch er hat etwas wahrhaft „Royales“ an sich, was ihn bei
einheimischen und auswärtigen Golfern gleichermaßen beliebt macht.

Die Atmosphäre muss es sein. Sie ist irgendwie familieär und
freundschaftlich, und zwar in einem Maße, wie sie anderswo kaum zu
finden ist. Eine ganze Anzahl ausländischer, selbst deutscher,
Golfer hat deswegen eine lebenslange Mitgliedschaft erworben. Manche
verbringen Wochen, Monate gar, auf der gemütlichen Range und wollen
von der wirren Welt draußen gar nichts mehr wissen.
Im sehr marokkanischen Inezgane gibt es übrigens preiswerte, gar
nicht unkomfortable Hotels, so dass man, namentlich als
Langzeitgast, nicht unbedingt unter teuren fünf Touri-Sternen
logieren muss, und man kann das „wahre“ orientalische Leben aus
erster Quelle beobachten.
Kontakt:
www.Royalgolfagadir.multimania.com
Neben Soleil ist eine neue
Doppel-Anlage entstanden, und zwar ebenfalls in Strandnähe südlich
der Stadt, insgesamt mit stolzen 27 Löchern, aber dieser Platz muss
erst noch „eingefahren“ werden.
Die beste Saison für Agadir sind die Monate Oktober bis März.
Danach wird es schnell heiß und dürr, und die Greens werden dann zum
Teil mit Abwässern begossen, was nicht gut riecht. Wem es nichts
ausmacht, kann mit substanziellen Rabatten rechnen und findet sich
oft ganz allein auf dem riechenden Rasen.
Marrakesch
Einige Distanz südlich und östlich
von Marrakesch geht das fruchtbare westmarokkanische Flachland
allmählich in den Hohen Atlas über, und in rund 70 km Entfernung von
der Stadt recken sich schon die ersten Viertausender, darunter der
höchste Berg des Landes, der Jebel Toubkal mit 4165 Metern. Dort
oben liegt ständig Schnee, auf den der Stadt näher gelegenen Gipfeln
aber nur im Winter.
Bilder, die Marrakesch und vor allem auch die Golfplätze vor dem
Hintergrund einer schneebedeckten Bergkette zeigen, sind zumeist
zwischen Dezember und Februar entstanden, denn dann sind die Berge
nicht nur weiß, sondern auch die Sicht ist klar. In den wärmeren
Monaten ist es oft dunstig, und der ferne Atlas lässt sich dann
zumeist nur in Konturen erahnen. Die Prospekte zeigen manchmal
offensichtlich zusammenmontierte Sommer- und Winterszenen; man ist
da im Zeitalter der digitalen Bildverarbeitung wenig pingelig.
Marrakeschs Golfplätze liegen alle ein gutes Stück außerhalb der
Stadt, aber noch im Flachland. Dort ist es im Winter kühl, nachts
kann es sogar richtig kalt werden; ein Pullover ist dann dringend
angesagt. Die Sommer sind knallheiß. Macht auch nichts; dann wird
eben nur morgens und spätnachmittags gegolft und die Zwischenzeit im
Pool verbracht. Und wem die Anreise aus Marrakesch zu umständlich
ist, kann auch direkt vor Ort nächtigen. Alle genannten Plätze
verfügen über luxuriöse Hotelanlagen, in denen ein Wochenpackage
(mit oder ohne Training) um 1000 Euro kostet.
Golf Amelkis Km 12, route de
Ouarzazate
 Amelkis
nennt sich auch „La Magnifique“, und in vieler Beziehung ist dieser
luxuriöse Platz auch großartig. Er wurde von dem meisterhaften
Cabell Robinson entworfen, ist seit 1995 in Betrieb und hat 18
Löcher (Par 72) auf 63 Hektar, einen Parcours von 6657 Metern und
eine assoziierte, aus lauter noblen Villen bestehende Gartenstadt,
in die sich von Marrakesch und den Atlasbergen verzauberte
Golf-Freaks einkaufen können – nicht landesüblich billig, das sei
gleich gesagt.
„Amelkis City“ begrenzt den Golfplatz auf einer Seite, auf den
anderen ist das Gelände offen. Im Bereich 12-18 hat man sogar ein
Stück Bebauung samt Seen und Begrünung in die Range inkorporiert –
die residierenden Golfer sollen es nie allzu weit haben.
Kontakt: E-mail:
royalgolf@iam.net.ma
Golf Royal de Marrakech (ggü.
Amelkis)
Die
Anlage ist nur durch eine Straße von Amelkis getrennt und gilt als
eine der ältesten des Landes. Der Pascha von Marrakesch ließ sie in
den 20er Jahren erbauen.
Im Gegensatz zu den beiden anderen Plätzen jungen Datums verfügt der
Royal deshalb über üppig entwickelten Baumbestand: Eukalypten,
Zypressen, Palmen, Oliven, ja sogar Orangen- und Aprikosenbäume sind
vertreten! Im Schatten all dieses Grüns lässt sich jedes Spiel auf
dem Par 72-, 18-Löcher-Platz über 6200 Meter natürlich besonders
genießen.
Allerdings
sollte man etwas Französisch sprechen können.
Die Royalisten halten insofern streng auf Taille, und man hat sogar
den Eindruck, wie blieben gern ein wenig unter sich. Falls sich
diese Impression vertiefen sollte: Amelkis liegt halt gleich
gegenüber, und man ist dort vielsprachig und ausgesprochen
freundlich.
Kontakt: Fax 00221-44404415
Le Golf de la Palmeraie Circuit
de la Palmeraie
Palmeraie
heißt „Palmenhain“, und diese Bezeichnung entspricht wahrlich den
Tatsachen: Allein auf der 10 km langen Fahrt von der Stadt zu der
Anlage fährt man fast ständig durch eine Palmen-Oase. Sie soll
übrigens bei einer Belagerung Marrakeschs durch die Berber
entstanden sein, die bei dieser Gelegenheit die Kerne der Datteln,
von denen sie sich vornehmlich ernährten, in der ganzen Gegend
verstreuten.
Sie müssen, der Ausdehnung des Palmenwaldes nach zu urteilen, die
Dinger tonnenweise verspeist haben.
Wahr
oder nicht: Auch in jüngerer Zeit hat solch eine Transplantation
stattgefunden. Der Grasbelag für den Platz wurde nämlich speziell
aus den USA importiert, wo das junge Grün unter simulierten
marokkanischen Bedingungen in Gewächshäusern heranwuchs. Wenn das
kein Luxus ist!
Der 1993 eröffnete Meisterschaftsplatz (Par 72) kann sich überhaupt
sehen lassen. Er wurde von keinem Geringeren als Robert Trent Jones
entworfen und hat 18 Löcher auf 6200 Metern, mehrere schwierige
Bunker und eine ganze Kette von Wasserfallen, in denen sich eine
üppige Fauna vergnügt: Fische, Schildkröten, Enten und wer weiß was
nicht noch alles.
Ökologie
ist hier kein Fremdwort, dem Oasenstatus von Palmeraie gemäß, betont
die charmante „Directrice du Golf“, geradezu Vorzeigemodell für die
emanzipierte Marokkanerin. Die Gäste im angeschlossenen Palmeraie
Golf Place Hotel wollen es auch nicht anders. Sie möchten ihr
Golfspiel innerhalb natürlicher Verhältnisse genießen, sagt die Dame
und fügt hinzu, dass das in Marokko gar nicht so leicht ist.
Aber auf dem Palmeraie hat man einen Versuch gewagt, und er ist
offenkundig gelungen.
Kontakt :
www.pgp.co.ma
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