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Von und mit Dieter Praun

Der Golfer und seine drei Jahreszeiten

Nun, es ist wahrlich kein Jahrhundertsommer, der sich uns präsentiert, sobald wir einen Blick durch das Fenster werfen. Ein völlig verregneter Saisonbeginn und ein bislang unbeständiger Sommer ... Kaum jemand traut sich noch, zum Grillabend einzuladen. Und die Angst vor einer eventuell fünfstündigen Wasserschlacht hindert auch viele daran, sich zumindest für das club interne Monatsturnier anzumelden. Aber es soll ja auch immer noch Golfer geben, die der Meinung sind, dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung gibt ... Für diese - und für all jene, die trotz intensiven Trainings und einem Höchstmaß an Motivation das Saisonziel ,,Vorgabe verbessern" noch nicht erreicht haben - nachfolgend einige Erklärungen und Ratschläge, damit zumindest der Herbst noch zu einem vollen sportlichen Erfolg werden kann.

Der GoIfpIatz

Analog zu allen klimatischen Veränderungen wechseln wir ganz automatisch unsere Gewohnheiten im Alltagsleben. So fahren wir beispielsweise auf trockener Fahrbahn schneller als auf einer regennassen. Das Golfspiel auf dem vertrauten Platz geschieht indes meist nach einem Routineplan, der sich über die Golf-Jahre hinweg gefestigt hat. Man weiß für jedes Loch, welche Schläger man benutzt- und man weicht nur in den seltensten Fällen von dieser Standard-Spieltaktik ab. Gerade das aber führt immer wieder zu verbesserungswürdigen Scores.

Jahreszeit I: Der Frühling

Nach der wachstumsfreien Periode ist die Grasnarbe in der Regel etwas schütter und die Ball-Lagen auf den Fairways dementsprechend unvorhersehbar. Nicht selten ärgert sich daher der Golfer, wenn er seinen Ball nach einem gelungenen Drive auf einer kahlen Stelle wieder findet. Im Gegenzug aber ist das Rough meist noch harmlos, und der eine oder andere verzogene Abschlag wird nur milde bestraft. Die Grüns indes lassen zu dieser Jahreszeit fast immer zu wünschen übrig, insbesondere, wenn man zwei Wochen zuvor noch auf den samtigen Teppichböden von Arizona geputtet hat.

Welche Schlußfolgerung ziehen wir daraus?

Im Frühling ist der Boden noch weich, der Ball wird daher kaum ausrollen. Da die meisten Hobbygolfer ihre Abschläge ,,carry" nur unbedeutend weiter schlagen als ihr Holz 3, sollte die ,,Big Bertha" erst einmal auf der Reservebank bleiben. Das gleiche Prinzip gilt natürlich auch für die langen Eisen. Was Ihr Training betrifft: Konzentrieren Sie sich primär auf die langen Schläge, um wieder in Schwung zu kommen.
Es macht wenig Sinn, das Putten auf einem vom Schneeschimmel durchzogenen Grün bzw. Bunkerschläge aus einer Matchgrabe heraus zu trainieren. Score entscheidend ist zu dieser Jahreszeit, wie beständig Sie den Ball voranspielen. Mit dem kurzen Spiel lässt sich noch nicht viel wieder gutmachen!

Jahreszeit II: Der Sommer

Endlich! Die Fairways präsentieren sich dunkelgrün mit einer dichten Grasnarbe. Die Grüns sind nach dem Aerifizieren und Bestanden wieder hart und schnell. Und das - mindestens knöchel hohe -Rough ist bedrohlich dicht.
Nun ist die Zeit gekommen, Ihre Pitch-, Chip- und Puttkünste zu reaktivieren. Durch das nun weite Ausrollen der Bälle werden auch nur leicht verzogene Schläge erst im seitlichen Rough, sprich Klee, zur Ruhe kommen. Von dort aus wird es Ihnen nur in den seltensten Fällen gelingen, das Grün zu treffen. Ergo muss der Score mit dem kurzen Spiel gerettet werden. Eine offensive Spielweise empfiehlt sich bei breiteren Spielbahnen ... Auf Bahnen, deren Grüns bei feuchten Rahmenbedingungen außerhalb jeglicher Reichweite liegen, sind nun Pars, wenn nicht gar Birdies, in durchaus realisierbarer Nähe.

Jahreszeit III: Der Herbst

Sobald die Bäume ihre Blätter verlieren, ist höchste Vorsicht geboten. Zu keiner anderen Jahreszeit werden so viele Bälle verloren wie im Herbst. Schlüpft der Ball doch unter das Laub, wo er dann trotz intensiver Suche nicht mehr aufzufinden ist. Die Folge sind Strafschlag und Distanzverlust. Greifen Sie also am Abschlag ruhig zu einem langen Eisen oder kurzen Holz, damit Sie den Ball präziser platzieren können.

Material

Jeder Skifahrer passt das Wachs den Schneeverhältnissen an. Warum also sollte ein Golfer nicht die Wahl des Balles und des Schlägers abhängig machen? Also - entscheiden Sie sich in den Jahreszeiten, wo der Boden feucht ist, für den etwas längeren Two-Piece-Ball mit harter Schale. Diese Bälle nehmen weniger Rückwärtsdrall an, fliegen und rollen daher etwas weiter und kommen dennoch auf den weichen, da feuchten Grüns rechtzeitig zur Ruhe.
Sobald der Platz trockener wird, empfiehlt sich insbesondere für Longhitter, auf Balata-, Zinthane-Balata- oder zumindest Three-Piece-Bälle umzusteigen. Diese Bälle nehmen mehr Rückwärtsdrall an, wodurch der Geradeaus-Flug stabilisiert wird. Und bei Annäherungsschlägen kommen sie nach der Landung sehr schnell zum Stillstand.
Im Herbst gilt es auf jeden Fall, Two-Piece-Bälle mit geringer Kompression zu verwenden, weil sich der Ball durch die teilweise schon niedrigen Außentemperaturen ohnehin härter anfühlt.

Schläger

Durch die besseren Pflegemaßnahmen sind die Grüns im allgemeinen hart. Zudem sind auf modernen Plätzen die Grüns bestens durch Bunker und andere Hindernisse verteidigt, der Ball muß das Ziel also immer häufiger ,,carry", also im Flug, erreichen. Dies wiederum verlangt nach einer hohen Flugbahn des Balles, die die meisten Amateure mit den langen Eisen nicht erreichen können.
Fazit
: Die langen Eisen haben ausgedient, es leben die Hölzer 7 und eventuell sogar 9! (Holzschläger, die hierüber hinausgehen, sind allerdings etwas unsportlich).

 

Jeder Ball ist rund.....

...Aber Ball ist nicht gleich Ball

Es hat sich eine Menge getan, seit Coburn Haskell und Bertram Work um die Jahrhundertwende den ,,Haskell"-Ball erfanden, der bald den bis dahin gängigen ,,Guttie"-Ball vom Golfmarkt verdrängte. Denn in der Folge ließen die BallhersteIler nichts unversucht, um den Haskell seine Marktführung wieder streitig zu machen. Materialien wie Kork, Blei oder gar Quecksilber wurden auf ihre Eignung zum Golfball-Inneren geprüft, und die Ballschalen waren immer wieder Gegenstand detaillierter aerodynamischer Forschungen.
Heute sind die einstigen Einkerbungen längst abgelöst von Dimples, jenen kleinen, symmetrisch angeordneten Vertiefungen auf der Ball-Oberfläche, die den Luftwiderstand verringern und den Ball daher sowohl länger als auch präziser fliegen lassen. Und beim Ball-Inneren hat der Käufer die Wahl zwischen verschiedenartigsten Zusammensetzungen. Daher steht der Ball-Käufer heute in den Pro-Shops und Golf-Discount-Läden vor einer schier grenzenlosen Angebots-Palette ... Doch keine Bange - hier gilt durchaus der Grundsatz, daß ein guter Ball nicht unbedingt der teuerste sein muss. Der One-Piece"-Ball

Der ,,Driving-Range-Ball" der ersten Generation wurde aus einer harten Gummimasse gegossen und anschließend mit einem Polyurethan-Klarlack überzogen, was ihm ein äußerst unappetitliches okkerfarbenes Erscheinungsbild gab.
Diese weichen ,,Murmeln waren zwar sehr widerstandsfähig, flogen aufgrund der geringen Kompression (Verdichtung) jedoch nicht weit. Die Profis lehnten ihn daher als Übungsball rundweg ab. Die Industrie reagierte auf die Bedürfnisse der Verbraucher und produzierte fortan schneeweiße Knallkörper aus einer steinharten Plastikmasse. Diese Driving-Range-Bälle sahen zwar viel besser aus und flogen aufgrund ihrer hohen Kompression relativ weit, doch genau diese extrem hohe Verdichtung in Verbindung mit der knochenharten äußeren Schale bewirkten, dass diese Bälle zu wenig Rückwärtsdrall annahmen (der bekanntlich den Geradeaus-Flug stabilisiert) und daher bei der geringsten Fehlbewegung in alle Himmelsrichtungen flogen.
In guten Golfclubs werden heutzutage auf der Driving-Range nur noch Two-Piece-Bälle verwendet.
Vorsicht: Golfer, die mit Driving-Range-Bällen auf dem Platz gesehen werden, droht in vielen Club der Platzverweis. Der Two-Piece"-Ball

Der Lieblingsball aller Hobbygolfer gibt große Länge aufgrund seines festen Kunstharz-Kerns und der Kunststoffgemisch-Schale (hartes Surlyn, alternativ weiches Zinthane). Er hat eine flachere Flugbahn, weil der Ball im Vergleich zum Three-Piece etwas weniger Rückwärtsdrall annimmt. Und er hat einen hellen Klang im Treffmoment. Inzwischen gibt es über 50 verschiedene Anbieter von Two-Piece-Bällen, wobei die Qualität von unspielbar (Masters") bis exzellent (,,Spalding Top Flite ,,Wilson Ultra, ,,Bridgestone Precept) reicht. Die Bälle werden mit verschiedenen Dimple-Strukturen (= Vertiefungen auf der Schale) angeboten, um die Bedürfnisse des Spielers bezüglich der Flughöhe und -kurve zu befriedigen.

Der Three-Piece"-Ball

In drei Variationen auf dem Ball-Markt vertreten:
Mit Surlyn- (harter), Lithium- (mittel-weicher) oder Balatum- (weicher) Schale. Sein Inneres besteht beim ,,Balata aus einem Flüssig-, beim ,,Surlyn" aus einem soliden Hartgummikern, über den ein Gummi-Faden gewickelt ist.

Der Balata-Ball gilt als bester, aber auch teuerster Golfball unserer Tage, denn seine neuartige Umwicklung des flüssigen Kerns bewirkt einen hohen Spin und maximale Kontroll-Möglichkeit. Der Preis reicht von 6 Mark (,,Titleist Tour") bis 8 Mark (,,Titleist Professional"). Aber: Der Ballfavorit aller Tour-Spieler ist auch extrem leicht zu beschädigen. Welcher Ball für welchen Spieler?

Grundsatz: Anfänger können sich das Geld für Balatas (Titleist Tour, Maxfli Balata, etc.) sparen. Denn nicht erst beim ersten Topp wird den Hacker" ein dicker Riß in der empfindlichen Schale ,,anlächeln".

 Top Flite:
Spalding ist der größte Ballproduzent weltweit und die Top-Flites sind die populärsten Bälle schlechthin. Es gibt über 20 verschiedene Sorten (ab 2,50 Mark/Stück), neuartig ist der ,,Magna" (4,50 Mark/Stück), der einen größeren Durchmesser hat und folglich leichter zu treffen ist. Die Modelle ,,Z-Balata (Z steht für Zinthane; 5,50 Mark/Stück) haben eine weichere Schale, nehmen daher mehr Rückwärtsdrall an und sind daher besser zu kontrollieren.

Precept Bridgestone, Pinnacle, Ultra oder Maxfli Tour Edition:

Tour Edition oder Spalding:
Allesamt hochqualitative Two-Piece-Bälle mit identischen Flug-, Roll- und Spieleigenschaften. Nach welchen Kriterien die Kaufentscheidung gefällt wird, bleibt dem Hobbygolfer überlassen.

Two-Piece-Bälle, erhältlich in der weicheren (90er Kompression) und härteren (100er Kompression) ,,Version mit viel Rückwärtsdrall und Kontrollmöglichkeit, von denen allerdings erst der fortgeschrittene Golfer profitieren kann.

Titleist PTS oder Maxfli CD:
Der (Three-Piece)-Ball für den anspruchsvollen Golfer. In drei verschiedenen Kompressionen-Modellen erhältlich (80 für Damen und Senioren, 90 für Amateure mit durchschnittlicher Länge, 100 für Longhitters und Pros).

Titleist Tour und Maxfli Balata:
Die Bälle der Tour-Sieger. Ihre Balata-Schale (extrem empfindlich!) ermöglicht den größtmöglichen Backspin.
Gerüchte, wonach allein das Spielen dieser (teuersten) Bälle den Monatsbecher-Sieg garantiert, entsprechen leider nicht der Realität.
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