Jeder Besuch beim Golflehrer ist mit der Hoffnung verknüpft, einen "Trick" vermittelt zu bekommen, um fortan den Ball immer lang und gerade zu schlagen.
Ich enttäusche Sie ungern, aber ... Gewiss, die eine oder andere Eselsbrücke hat so manchen Freizeitgolfer schon zum Monatsbecher-Sieg verholfen. Doch handelte es sich dabei um einen Schwunggedanken - also
eine psychische Stütze, die einem koordinierten Bewegungsablauf Vorschub leistet.
Dagegen sind die meisten "Tricks", am 19. Loch euphorisch weiter gegeben, auf Dauer so wirkungsvoll wie das Petroleum der Quacksalber.
Garant für ein beständiges und solides Treffen des Balles ist und bleibt die richtige Schwungebene.Vorweg ...
Die Schwungebene ist die Neigung, mit der der Schläger während des Golfschwungs um den Körper bewegt wird.
Bei der Tennis-Vorhand oder beim Baseball wird der Schläger relativ "flach" um den Körper geschwungen, beim Tennisaufschlag hingegen wird der Schläger steil von oben nach unten bewegt.
Beim Golfschwung ist es leider sehr viel komplexer, schon allein, weil. die 14Schläger verschieden lang sind und auch ihre Neigung zur Waagrechten ("Lie-Winkel") variert.
Ein Sand-Wedge hat einen kurzen Schaft und steht ziemlich aufrecht, ein Driver hingegen hat einen sehr langen Schaft und steht erheblich flacher, wenn die Schlägersohle auf dem Boden aufliegt. Sie sehen schon - die Schwungebene ist bei jedem Schläger verschieden.
Aber keine Angst - die Suche nach der richtigen Schwungebene ist weitaus weniger hoffnungslos, als es auf den ersten Blick erscheint.
Sie werden mich nun fragen, warum nicht alle Schläger gleich lang sind und in dergleichen Neigung zum Boden stehen.
Nun, die Schläger sind so konstruiert, dass der Ball damit sowohl lang und flach als auch kurz und hoch geschlagen werden kann.
Für einen kurzen und hohen Schlagaber ist es günstiger, wenn der Schlägerkopf mehr von oben nach unten in den Ball geschwungen wird, weil der dadurch mehr Auftrieb bekommt. Soll der Ball aberweit und flach fliegen, dann ist ein längerer Schaft günstiger, weil die Hebelwirkung und die damit verbundene Beschleunigungsmöglichkeit dadurch vergrößert wird. Gleichzeitig ist es besser, wenn der Schläger etwas flacher steht, weil der Schlägerkopf so mehr von der Seite zumBal1 schwingt und dieser somit mehr Antrieb bekommt.
Von der Theorie zur Praxis
Jeder von Ihnen kennt das Problem, dass er die Bälle auf der Driving-Range meistens besser trifft als auf der Runde. Die Gründe hierfür sind vielfältig! Einer ist aber nachweislich die mangelnde Anpassung der Schwungebene an den jeweiligen Schläger auf dem Platz. Beim Üben schlagen Sie sich mit jedem Schläger solange ein, bis Sie den richtigen Abstand zum Ball und somit die korrekte Neigung der Schwungebene gefunden haben. Dass Sie dafür zumeist ein bis zwei Versuche benötigen, stört Sie auf der Driving-Range
nicht weiter. Wenn's auf dem Platz dann aber beim ersten Anlauf passen muss, haben Sie nur die Möglichkeit, Ihre Schwungebene mittels Probeschwung an den durch die Entfernung zum Ziel geforderten Schläger anzupassen. (Apropos Probeschwung: Bedenken Sie bitte, dass mehr als zwei pro Schlag die Geduld Ihrer Mitspieler besorgniserregend auf die Probe stellt!).
Jeder Spieler hat einen "Lieblingsschläger". Dabei handelt es sich unbewusst zumeist um den, der am besten zur natürlichen Bewegung, also zur intuitiven Schwungebene, passt. Ein Spieler mit einer steilen Schwungebene ist überwiegenderfolgreich mit den kürzeren Eisen und unterschlägt gern seine Hölzer vom Tee.
Ein Spieler mit einer flachen Schwungebene hingegen hat oft hervorragende Abschläge, sucht aber pro Runde mehrmals seinen Ball hinter dem Grün, weil er zuvor seinen Wedge getoppt hat.
Die korrekte Schwungebene zu finden, erfordert dem Grunde nach "nur" die richtige Anpassung an den jeweiligen Schläger.
Zur Sache ...
Die Schultern drehen sich immer im 90-Grad-Winkel zum Oberkörper, der logischerweise nach vorne zum Ball hin gebeugt ist.
Jetzt gilt es, die Schwungebene der Arme von jener des Schlägers zu unterscheiden.
Ben Hogan behaupte zwar, es gäbe nur eine einzige Ebene. Gott sei Dank hat er diese Weisheit jedoch bei sich selbst nicht angewandt - sonst hätte er es niemals zu zehn Major-Titeln gebracht. Vorausgesetzt, lhre Ansprechposition ist konform, so ist die Schwungebene durch den Lie-Winkel, also der Neigung zwischen Schlägerschaft und Boden, vorgegeben. Die Ebene der Arme sollte nun am höchsten Punkt des Rückschwungs parallel, jedoch niemals unterhalb der Schwungebene des Schlägers verlaufen.
Der Schläger wiederum viel zu tief in den Boden. Wundern Sie sich dann nicht, wenn Sie der Greenkeeper nicht mehr grüßt.
Falls zu steil ...
Eine zu stark nach vorn gebeugte Haltung des Oberkörpers fördert die Kipp-Bewegung, bei der der Körper nicht mehr dreht, sondern von links (im Rückschwung) nach rechts (im Abschwung) schaukelt.
Zu entlarven sind solche Spieler durchzahllose Kratzer an der Schlägerkopf-Oberfläche ihrer Hölzer.
Wenn sich im Rückschwung die Arme zu sehr vom Körper lösen und der Schläger dadurch zu sehr nach oben geschwungen wird, so liegt es nahe, dass er im Abschwung zu tief nach unten gelangen wird.
Künstler strecken kurz vor dem Treffmoment die Beine durch, um sich beim In
den Boden-Hacken nicht die Handgelenke zu verstauchen. Auch mit ihnen wird der Greenkeeper bald ein Vier-Augen-Gespräch suchen!
Falls weder noch ...
... so heißt das leider noch nicht, dass Ihre Schwungebene lehrbuchartig ist. Sondern dass es sich um einen Fehler im Bereich der Ansprechposition oder des Take-Aways (Zurückführen des Schlägers) handelt könnte.
SituativeAnpassung ...
Für heute nur soviel: Wenn Sie über dem Ball stehen, muss die Schwungebene steiler sein, sonst werden Sie den Ball toppen. Wenn Sie aber unter dem Ball stehen, muss die Schwungebene flacher werden.
Es gilt also, die Neigung des Oberkörpers und des Winkels in den Knien dem Gelände anzupassen. Die Vorgabe für die richtige Schwungebene wird Ihnen abermals vom gewählten Schläger vorgegeben.
Fazit
Ob ein Ball gerade fliegt oder nicht, hängt indirekt auch von der Schwungebene ab. Indirekt insofern, dass ein Spieler mit einer zu flachen oder zu steilen Schwungebene durchaus einen geraden Ball schlagen kann, falls er sich die notwendige Schwung-Kompensation antrainiert hat.
Die Fehlerursachen und deren Korrekturen sind so zahlreich und individuell, dass es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, sie hier alle aufzuzählen. Ihr DGLU-Professional (und bitte kein anderer!) wird Ihnen dabei aber gerne rat- und tatkräftig zur Seite stehen.
Falls zu flach ...
Eine zu aufrechte Haltung des Oberkörpers bei der Ansprechposition verursacht eine zu "flache" Schwungebene, bei der der Schläger zu sehr von hinten nach vorne geschwungen wird. Der Socket sei mir in diesem Falle gegrüßt!
Wenn der Schläger während des Rückschwungs aufgrund einer zu flachen Ebene der Arme zu wenig nach oben geschwungen wird, so wird er im Verlauf des Abschwungs ein Qäntchen zu wenig nach unten schwingen.
Geschickte Artisten kompensieren dieses "Manko" durch eine leichte Kniebeuge oder eine Tauchbewegung des Oberkörpers. Was aber selbst im günstigsten Falle nur bewirkt, dass der Ball dünn getroffen wird, im schlechtesten Falle wieder im Socket gipfelt.

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