GOLFplus Kopfbild

ARCHIV:

Auf ein neues!

Tipps für den richtigen Start in die neue Saison

von und mit Dieter Praun
Der Reiz des Golfspiels liegt in seiner Unberechenbarkeit. Intensives Training und modernes High-Tech-Equipment sind noch kein Garant für niedrige Scores. Die Leistungsfähigkeit des Golfspielers wird mittels einer Zahl, Vorgabe genannt, bescheinigt. PE steht dabei für Puddingabitur, ein einstelliges Handicap dagegen ist in der Golfwelt schon fast ein Pendant zur Venia Legendi.
Die Mehrzahl der Golfspieler ist allerdings unzufrieden mit dieser Bewertung ("Ich stehe zwar auf 26,4, aber eigentlich spiele ich viel besser, so um die 18"), einige sind gar deprimiert ("Egal was ich anstelle, ich komme nicht von 21 auf 19").
Die Ausreden sind vielfältig, die Gründe gleichartig. Es gilt, die Ursachen zu erforschen statt die Symptome zu behandeln.
 

DIE STRATEGIE

Eine Runde Golf ist ein Zweikampf zwischen dem Spieler und dem Platz. Ihr Gegner ist trickreich und listig, eine sorgfältige Spielplanung daher die wichtigste Voraussetzung, um dieses Duell als Sieger zu verlassen.
Rambos sind auf dem Golfplatz selten erfolgreich und ebenso unwillkommen wie Elefanten im Porzellanladen. Wer möchte schließlich seinen freien Tag im Gebüsch verbringen, um die Bälle des Mitspielers zu suchen?

Das A und O in der richtigen Selbsteinschätzung:

Hohe Stores sind meist das Ergebnis einer zu hohen Risikobereitschaft und Überbewertung der schlagtechnischen Fähigkeiten.
John Daly hatte keine Mühe, die British Open in St. Andrews zu gewinnen, weil er seine Länge auf dem offenen Küstenplatz voll ausspielen konnte. Bei der Weltmeisterschaft auf dem engen Course in Tryall (Jamaika) war seine beste Runde jedoch eine 80!
Severiano Ballesteros hat in den siebziger Jahren die Herzen der Golf-Fans im Sturm erobert, weil sein aggressives Spiel spannender war als ,jeder Paperback von Edgar Wallace. Doch Genies sind einzigartig, und daher ist seine Taktik, einen Golfplatz nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen, auch nicht empfehlenswert.
Hobby-Golfer neigen dazu, "einfache" Spielbahnen zu offensiv und "schwierige" Löcher zu defensiv anzugehen. Bei breiten Fairways wird geprügelt, und vor dem Wasserhindernis werden die Schmetterlinge im Bauch gestreichelt.
Diese Strategie hat den Nachteil; dass der Rhythmus starken Schwankungen ausgesetzt wird - und somit das Bewegungsgefühl in Mitleidenschaft gezogen wird.

 

DIE SCHLÄGERWAHL

Pros schwingen bei vollen Schlägen immer mit dem gleichen Kraftaufwand. Die Schlägerkopfgeschwindigkeit ist bei ei nem Driver natürlich höher als bei einem Eisen 9, doch dies geschieht durch den längeren Hebel des Schlägers und nicht durch eine kräftigere Beschleunigung.
Ein Berufsspieler wird auch eher einen kürzeren Schläger vom Abschlag wählen, z.B. ein Eisen 3 statt eines Holzes, wenn die Spielbahn besonders eng verläuft. Er wird dieses Eisen 3 aber mit der gleichen Intensität schwingen, wie zuvor den Driver. Ein beständiger Schwungrhythmus ist Garant für Sicherheit und Selbstvertrauen. Zieren Sie sich nicht davor, mit dem Eisen 6 abzuschlagen, wenn die Situation es erfordert, bzw. Sie sich damit sicher fühlen. Und schämen Sie sich ebenso wenig, den Ball mit der Wedge vor das Wasserhindernis zu schlagen statt den - leichtsinnigen - Helden zu spielen. Ein einziger schlechter Schlag hat oft verheerende Auswirkungen auf den Store, weil Strafschläge oder schwierige Balllagen die Folge sind. Länge ist im Golfsport nur dann von Vorteil, wenn die Präzision nicht leidet.

Denken Sie daran: Kontrolle geht stets vor Distanz!

 

DIE AUSRÜSTUNG

Ihre Schläger müssen stets in einem einwandfreien Zustand sein. Lädierte oder glatte Griffe sind fatal bei Regen, und klappernde Schwunggewichte trüben ebenfalls die Freude am Golfspiel. Sollten Sie also beschädigte Schläger haben, so ist es höchste Zeit, mit Ihrem Pro Kontakt aufzunehmen, damit er diese bis zum Saisonbeginn repariert, oder, falls erforderlich, ersetzt. Die Anschaffung eines neuen Sets ist oftmals eine sinnvolle Investition. Die Schläger der neuen Generation sind leichter zu spielen und auch viel gelenk schonender als die früheren Modelle. Besonders Jugendliche und Kinder sollten nicht dazu verdonnert werden, mit Papis alten Knüppeln zu spielen, denn diese sind in der Regel zu hart und zu schwer.
Grundsätzlich ist das Golfspiel durch die Entwicklung im Schlägerbau müheloser geworden. Größere Schlägerköpfe und die Verwendung von Materialien, die vor einigen Jahren noch der Raumfahrt vorenthalten waren, ermöglichen die Herstellung von fehlerverzeihenden Schlägern. Das moderne Golf-Equipment ist somit an die Bedürfnisse der Hobby-Golfer angepasst. Aber Achtung! Der Schwungfehler wird dadurch später erkannt und ist somit hartnäckiger zu beheben. Die Schmerztablette kann schließlich auch nur den Kariesschmerz lindern, nicht aber das Zahnloch füllen.
Einige Wunderwaffen, besonders "Driver" sind Mogelpackungen, weil sie mit längeren Schäften (bis zu 45 Zoll) bestückt werden. Der längere Hebel ermöglicht in der Tat höhere Schlägerkopfgeschwindigkeiten und somit größere Weiten, doch bei der geringsten Verdrehung der Schlagfläche wird der Schlag zum russischen Roulett, daher sollten diese Schläger nur von routinierten Spielern benützt werden. Ich halte mich an den Ratschlag von Harvey Penick, den Driver erst dann zu verwenden, wenn jeder mit dem Holz 3 geschlagene Ball auf dem Fairway landet.
Lange Eisen (3 und 4) sind ein Buch mit sieben Siegeln und sollten durch kurze Hölzer (7, eventuell 9) ersetzt werden.
Diese Hölzer haben einen hohen Loft (Neigung der Schlagfläche gemessen zur Vertikalen) und ermöglichen eine hohe Flugkurve, was den Ball nach der Landung kürzer ausrollen lässt. Besonders im Sommer, wenn die Grüns härter werden, macht sich dieser Vorteil bezahlt.
Kein Pro kann es sich mehr leisten, ohne dritte Wedge, der sogenannten Lob-Wedge, auf den Platz zu gehen. Dieser Schläger hat einen Neigungswinkel von 60 Grad Loft oder mehr, und ist daher ideal zum Überspielen von Hindernissen unmittelbar vor dem Grün, da der Ball sehr hoch und kurz fliegt. Der Schlag kann somit etwas fester und entschlossener ausgeführt werden.

Fazit: Eine gute Investition.

 

DAS TRAINING

Ich weiß schon, Sie würde so gerne ... Haben aber leider nie Zeit ...
Seltsamerweise findet jeder aber genug Zeit, um auf den Platz zu gehen.
Egal, wie wenig Zeit Ihnen zum Training zur Verfügung steht, es gilt den Schwerpunkt auf das kurze Spiel zu verlagern

 

DAS PUTTEN

Üben Sie Putts aus zwei Metern Entfernung! Es gibt etliche Gründe, warum Sie den Ball niemals so weit schlagen werden wie John Daly. Doch warum sollten Sie nicht genauso oft einen Putt aus dieser Entfernung einlochen können wie Ben Crenshaw?
Paul Azinger hat den größten Putter-Verschleiß auf der amerikanischen Tour. In den beiden vergangenen Jahren wechselte er immerhin sieben Male den Schläger, da er überzeugt von seiner Pendelbewegung ist und immer noch die passende Wunderwaffe dazu sucht.
Ich möchte Sie nicht zum Kaufrausch anstiften - doch ein neues Gesicht am Ende des Schaftes kann manchmal ungeahnte Fähigkeiten aktivieren.
Auf der europäischen Tour wurden verschiedene Turniere mit dem überlangen "Broomstick-Handle" Putter gewonnen (Sam Torrance, Philip Walton, Mark James sowie Wayne Riley). Eine Technik, die aber vielleicht neue Impulse erweckt.

 

ANNÄHERUNGSSCHLÄGE

Ein Grün zu verfehlen, ist eigentlich bloß ein Schönheitsfehler, wenn es dem Spieler anschließend gelingt, mit Hilfe eines Annäherungsschlages den Store zu retten. Die meisten Hobby-Golfer verwenden zu oft verschiedene Schläger zur Ausführung ihrer Chip-Schläge, und sind daher ständig konfus bezüglich der Dosierung des Schlages.
Üben Sie mit einem und demselben Schläger aus verschiedenen Entfernungen, damit Sie zunächst lernen, die Beschleunigung zu variieren und diesem einen Schläger vertrauen zu können.
Empfehlenswert ist die Verwendung der Eisen 8 und 9. Schläger mit weniger Loft, wie die Eisen 7 oder gar 6, haben den Nachteil, dass der Ball sehr weit ausrollt.
Was wiederum eine zaghafte Schwung-Beschleunigung zur Folge hat, und dementsprechend oft auch einen schlechten Ballkontakt.

 

BUNKERSCHLÄGE

Ich kenne Golfer, die ihren Ball lieber 30 Meter seitlich vom Grün platzieren, als das Risiko einzugehen, im Bunker zu landen.
Erinnern Sie sich: Eine Runde Golf ist ein Zweikampf zwischen Ihnen und dem Platz. Wer vor dem Gegner wegläuft, kann bestenfalls den Schaden in Grenzen halten, aber niemals den Gegner besiegen.

 

DER UNTERRICHT

Jeder Mensch sollte einen kompetenten Anwalt kennen, einen einfühlsamen Zahnarzt, eine zuverlässige Autowerkstatt - und last, aber sicherlich not least, einen ebenso qualifizierten wie geduldigen Golf-Pro.

zurück zur Homepage

 

| Golfführer | Golftipps | Kleinanzeigen | ProShop | Bücher-Videos |   | Reisetipps | Wichtige Adressen für Golfer || News/Reisen Geschenk-Ideen |  

E-MailImpressum und BenutzerhinweiseMSV/mpb Logo